Peter Wust - eine biographische Skizze

- Fortsetzung -

 

Der Wechsel nach Köln im Jahre 1921 bedeutet für Wust eine entscheidende geistige Bereicherung, denn hier macht er schon bald die Bekanntschaft mit Max Scheler, dem Begründer der modernen philosophischen Anthropologie. Wust selbst spricht in diesem Zusammenhang von "einer völligen inneren Umwandlung", "einer 'Metanoia' größten Stiles" (Bd. V, S. 246).

Die Begegnung mit Scheler verändert sein Leben: "Damit war ein Schritt getan in eine völlig neue, in eine völlig veränderte Welt. Ich verspürte sofort, daß in den Räumen, in denen ich mich beim ersten Besuch befand, die große philosophische Achsendrehung sich vollzog, die dem ganzen Zeitalter die Wendung zum Objektiven geben sollte, denn solche großen Ereignisse des Geistes vollziehen sich unter vielfachen Hin- und Herschwankungen, unter dauernden Rückschlägen und Wiederneuanfängen. Jedenfalls aber war für mich das große Neue darin zu suchen, daß ich in diesem Augenblick zum ersten Male dem wahrhaftigen Genius des Geistes gegenübergetreten zu sein mir bewußt wurde, dem tragischen Genius zwar, aber dem wirklichen Genius, der ganz im Bann der 'großen Mächte' stand, der dämonisch-dunklen Mächte der Nacht und der lichtvollen Mächte des Ewigen Tages." (Bd. V, S. 250f.)

Hat Wust noch zu Anfang Pläne, sich bei Scheler zu habilitieren (vgl. Bd. VII, S. 440f.), so muß er dieses Vorhaben doch bald aufgeben; seine inzwischen auf drei Kinder angewachsene Familie zwingt ihn dazu, den Lehrerberuf beizubehalten, und so bleibt für eine Habilitation keine Zeit. Im Oktober 1930 wird Wust dann - für ihn selbst unerwartet - auf den Lehrstuhl des 1929 verstorbenen Philosophen Max Ettlinger in Münster berufen. Hier lehrt er bis zu seinem Tode im Jahre 1940.

     
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